Zündkerzen wechseln kann jeder!

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Was ist eine Zündkerze und welche Funktion erfüllt sie im Ottomotor?

Die Zündkerze ist das wichtigste Bauteil der Zündanlage bei Ottomotoren. Sie sorgt dafür, dass das Benzin-Luftgemisch im Brennraum (Zylinder) des Motors durch die thermische Energie eines Zündfunkens in einem festgelegten Intervall entzündet wird. Dieses Zündungsintervall resultiert in einer Auf- und Ab Bewegung des Kolbens und erzeugt die kinetische Energie, die ein Kraftfahrzeug zum Fahren benötigt. Zündanlagen und -kerzen gewährleisten exakte Zündzeiten und die optimale Leistung des Motors bei möglichst niedrigen Kraftstoffverbräuchen.

Zündkerzen wechseln kann jeder! Wir zeigen, wie es ganz einfach geht.

Hier ein kleiner Hinweis. Das Tutorial gilt für Zündkerzen der Marken Bosch, NGK, Beru u.ä., wie sie in Ottomotoren zum Einsatz kommen! Bei Dieselmotoren ist kein Fremdfunke notwendig. Hier sorgen Glühkerzen beim Kaltstart des Motors für ein Vorheizen des Brennraumes. Das Diesel-Sauerstoffgemisch entzündet sich hier durch die hohe Verdichtung des Motors.

Wie ist die Zündkerze aufgebaut?

Um den Zündfunken zu erzeugen, bedarf es bei einer Zündkerze keines komplizierten Aufbaus. Dieser gewährleistet die Leitung eines Hochspannungsimpulses eines vom Motor isolierten Leiters zu einer Elektrode. Von dieser springt dieser Impuls als Funke zu einer Masseelektrode über. Die Hitze des Funkens entzündet das Benzin-Luftgemisch im Zylinder.

Da Zündkerzen von Bosch in vielen Fahrzeugen eingesetzt werden, erklärt sich der Aufbau am besten an deren Beispiel:

(1) Am Isolatorkopf findet sich ein scharfkantiges Rippenprofil, dass als Kriechstrombarriere dient.

(2) Der Isolator aus Aluminiumoxid isoliert den Anschlussbolzen und die Mittellelektrode gegen das Gehäuse der Zündkerze.

(3) Das Gehäuse aus vernickeltem Stahl dient dazu, die Zündkerze im Motorblock zu fixieren und den Zylinder abzudichten.

(4) Über die Mittelelektrode wird der Hochspannungsimpuls als Zündfunke an die Masseelektrode weitergegeben.

Ist der Motor richtig eingestellt und wird qualitativ hoher Kraftstoff getankt, bleiben Zündkerzen wartungsarm. Sie sollten alle 30.000 bis 60.000 Kilometer getauscht werden. Einige Fahrzeuge verwenden Zündkerzen mit längeren Wechselintervallen.

Zündkerzen wechseln – das können Sie auch selbst

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Zündkerzen sind eine der wenigen Komponenten, die sich auch ohne den Besuch einer Fachwerkstatt bewerkstelligen lassen. Mit ein bisschen Übung, etwas Fachwissen und dem richtigen Werkzeug kann der „Eingriff“ am Motorblock jedem gelingen. Ältere Fahrzeuge machen die Selbsthilfe einfach, denn nach Öffnen der Motorhaube hat man freie Sicht auf die Kerzenstecker. Bei neueren Fahrzeugen müssen erst die Motorabdeckung oder weitere Verkleidungen demontiert werden.

Vor dem Start

Bevor man den Austausch der Zündkerzen wagt, sollte sichergestellt werden, dass alle Werkzeuge und Montagemittel bereitliegen. Es sollten auch die neuen Zündkerzen von Bosch, NGK oder andere für das Fahrzeug passende Austauschkerzen parat liegen. Welche Kerzen passen, verrät das Bordhandbuch. Im Zweifelsfall informiert man sich auf unserer Website, welche Zündkerzen für welches Auto vorgesehen sind. Die Zündkerzen vom Peugeot 206 können sich von den Zündkerzen des Audi A3 oder den Zündkerzen des Ford Fiesta unterscheiden.

Bosch und NGK bieten auf ihren Websites einen praktischen Produktfinder.

Benötigtes Werkzeug:

– Knarre/Ratsche mit Verlängerung

– passende Zündkerzennuss

Drehmomentschlüssel

– fester Pinsel

– sauberes nicht fußelndes Tuch

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Ein Zündkerzenwechsel sollte bei abgekühltem Motor erfolgen, damit sich die kalte Kerze beim Abkühlen eines heißen Motors nicht in der Brennkammer festsetzt. Zudem dichten die Zündkerzen den Zylinder ab, was ebenfalls einen passgenauen Sitz erfordert.

VORSICHT: Es wird an der Zündanlage und damit an Bauteilen, die Hochspannung führen, gearbeitet! Die Zündung des Motors sollte aus und der Massepol der Batterie abgeklemmt sein! Menschen, die an Herzerkrankungen leiden oder einen Herzschrittmacher haben, dürfen unter keinen Umständen an Zündanlagen arbeiten!

Der Kerzenwechsel – Los geht´s!

Jedem Zylinder ist eine Zündkerze zugeordnet. Je mehr Zylinder ein Motor hat, desto höher ist der Arbeitsaufwand. Einige Motoren besitzen eine Doppelzündung und somit zwei Kerzen je Zylinder (wie die „Twin Spark“-Modelle von Alfa Romeo).

(1) Sind alle Verkleidungen und Abdeckungen entfernt, ist die Sicht auf den Zylinderkopf mit den Kerzensteckern frei. Die Kerzenstecker sind jeweils einem Zylinder fest zugeordnet. Um Verwirrungen zu vermeiden, sollten die Zündkerzen daher Stück für Stück gewechselt werden.

(2) Jetzt zieht man den Kerzenstecker von der Zündkerze. Zu sehen ist nun der obere Teil der Zündkerze mit Mittel- und Masseelektrode. Einmal an diesem Punkt angekommen, kann der Zustand des Motors an der Färbung und am Zustand der Elektrode abgelesen werden. Im optimalen Fall ist die Färbung rehbraun, dies weist auf eine einwandfreie Funktion des Motors hin.

(3) Mit dem Pinsel wird der Zündkerzenschacht vorm Herausdrehen der Kerze gereinigt. So gelangen keine Verschmutzungen in den Zylinder.

(4) Jetzt wird der Kerzenschlüssel auf die Anzugsmutter gesteckt und die Zündkerze vorsichtig entgegen der Uhrzeigerrichtung herausgeschraubt. Das Gewinde danach mit dem Tuch reinigen.

(5) Nun wird die neue Kerze per Hand auf das Gewinde gesetzt und kurz entgegen der Uhrzeigerrichtung gedreht, damit sich die Gewinde von Kerze und Kerzenschacht anpassen. Danach die Zündkerze in Uhrzeigerrichtung handfest anziehen!

(6) Mit dem richtigen Anzugsmoment am Drehmomentschlüssel wird die Zündkerze fest angezogen. Das Anzugsmoment ist bei allen Zündkerzen von Bosch direkt  auf der Verpackung.

(7) Kerzenstecker aufstecken.

Die Reihenfolge für jede auszutauschende Zündkerze wiederholen!

Selbst ist der Mann – Oder doch lieber in die Fachwerkstatt?

© Ikonoklast Fotografie / Shutterstock

Unter Beachtung der richtigen Reihenfolge und der richtigen Arbeitsschritte ist das Wechseln der Zündkerzen beim Ford Focus und anderen Modellen kein Problem. Da jedoch an spannungsführenden Teilen gearbeitet wird, sollten Menschen mit Herzerkrankungen oder mit Herzschrittmacher diese Arbeiten nicht durchführen. Hier empfiehlt sich der Gang in die Fachwerkstatt. Neuwagen mit laufender Garantie und Gewährleistung oder professionell genutzte Fahrzeuge (Firmenwagen, Taxi, Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, DRK u.ä.) sollten ebenfalls in der Werkstatt gewartet werden.

Fehler und Tipps beim Zündkerzenwechsel

Der häufigste Fehler beim Wechsel der Zündkerzen ist das fehlerhafte Aufstecken der Kerzenstecker nach dem Tausch. Hierdurch ergibt sich eine falsche Zündreihenfolge, die im schlimmsten Fall im Totalausfall des Motors endet. Kleben Sie daher vor dem Abziehen der Stecker Kreppband um die Steckerkabel und nummerieren diese passend zum Zylinder. Dann klappt es auch mit dem Funken.

Außerdem kann die Kompression des Brennraumes leiden, wenn Zündkerzen nicht passend aufgeschraubt werden. Hier sollte die Kerze per Hand etwa eine Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden, bevor sie handfest angezogen wird. Die Gewinde von Kerze und Kerzenschacht passen sich so aneinander an.