Hohlraumversiegelung erneuern – effektiver Rostschutz

0
340
Hohlraumversiegelung
© GettyImages / BraunS

Fast jedes Auto rostet früher oder später mehr oder weniger stark. Vom Rost betroffen sind oft nur bestimmte Bereiche der Karosserie wie Türsäulen, Schweller oder Radläufe. Grund hierfür ist Feuchtigkeit, die in Hohlräume der Karosserie eindringen kann. Mit einer Hohlraumversiegelung kann der Rostbefall vermieden oder zumindest um Jahre hinausgezögert werden. Was eine Hohlraumversiegelung ist, was sie nutzt und wie Sie die Hohlraumversiegelung am Auto selbst machen können, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

 

Was ist eine Hohlraumversiegelung?

Als Hohlraumversiegelung am Auto wird der Schutz von Hohlräumen der Karosserie und Teilen des Fahrwerks vor Korrosion bezeichnet. Bei jedem Auto gibt es zahlreiche konstruktionsbedingte oder fertigungsbedingte Hohlräume, in die Feuchtigkeit eindringen und zu einem Rostbefall führen kann. Hohlräume im Auto befinden sich beispielsweise in den Seitenschwellern, A, B und C-Säulen, Türen, Radläufen, Längs- und Querträgern, Motorhaube, Heckklappe & Kofferraumdeckel

Diese Hohlräume sind nicht hermetisch abgedichtet, sondern haben in der Regel ein paar Öffnungen. Diese Öffnungen sind erforderlich, damit bei der Rostschutzgrundierung der Karosserie im Werk die Grundierung in diese Hohlräume eindringen kann. Der werksseitige Rostschutz ist jedoch nicht sehr lange haltbar, da er nicht wie die Außenseiten der Bleche durch Lack geschützt wird. Bei einigen ihrer Fahrzeuge verzichten die Hersteller aus Kostengründen auf eine zusätzliche Hohlraumkonservierung.

 

Welche Vorteile hat eine Hohlraumversiegelung?

Eine Hohlraumversiegelung verhindert, dass die Karosserie ihres Autos durch in die unvermeidbaren Hohlräume eindringende Feuchtigkeit von innen heraus durchrostet. Die Hohlraumversiegelung dient daher in erster Linie dem Werterhalt Ihres Fahrzeugs. Ein Gebrauchtfahrzeug mit Hohlraumversiegelung erzielt einen höheren Wiederverkaufswert als ein Fahrzeug, das wegen einer fehlenden Hohlraumversiegelung Roststellen zeigt oder wegen Rostbefall bereits instand gesetzt wurde. Der zweite Vorteil einer Hohlraumversiegelung ist, dass rostfreie Teile der Karosserie bei einem Unfall mehr Aufprallenergie aufnehmen können als beispielsweise eine von innen verrostete Türsäule.

 

Wie funktioniert sie?

Für die Hohlraumversiegelung am Auto werden Mittel auf Basis von Wachs, Fett und Öl verwendet. Diese Mittel verdrängen Feuchtigkeit und bilden einen schützenden Film auf den Oberflächen. Do-it-yourself Hohlraumversiegelungen in Spraydosen sind gebrauchsfertig und enthalten meist ein Lösungsmittel, indem ein Wachs oder Fett gelöst ist. Dadurch wird eine gleichmäßige Verteilung sichergestellt. Das Lösungsmittel verdunstet relativ schnell, sodass nur der schützende Wachs- oder Fettfilm zurückbleibt. Durch das Lösungsmittel ist die Viskosität der Hohlraumversiegelung zudem sehr gering. Das heißt, die Hohlraumversiegelung ist dünnflüssig. Dadurch kann sie auch in sehr feine Spalte eindringen. Fachleute sprechen hier von der Penetrierfähigkeit.

Professionelle Hohlraumversiegelungen auf Wachsbasis müssen vor der Anwendung je nach Mittel auf 45 bis 100 Grad erhitzt werden, damit das Wachs flüssig genug ist, um es in den Hohlraum einzubringen. Nach dem Abkühlen bleibt eine 0,5 bis etwa 2 mm dicke Wachsschicht zurück, die verhindert, dass Feuchtigkeit an die Oberfläche gelangt. Durch die Erwärmung werden diese Wachsversiegelungen ebenfalls sehr dünnflüssig, sodass sie in feine Spalte eindringen können. Für die Anwendung einer professionellen Hohlraumversiegelung auf Wachsbasis werden geeignete Heizgeräte und in der Regel Airless-Spritzpistolen mit speziellen Düsen benötigt.

Einen leichten Rostbefall muss man vor der Hohlraumversiegelung nicht unbedingt entfernen. Einige Mittel können den Rost durchdringen und die Feuchtigkeit verdrängen, sodass der Rostfraß gestoppt wird. Die Versiegelung sorgt dafür, dass Feuchtigkeit und Luftsauerstoff nicht mehr an die Roststelle gelangen können. Verschiedene Hersteller empfehlen aber, Roststellen vor der Versiegelung mit einem Rostumwandler zu behandeln, um den Rostfraß zu stoppen.

effektiver Rostschutz
© GettyImages / NIKILAY GLUHOV

Wie lange hält eine Hohlraumversiegelung?

Die Haltbarkeit einer Hohlraumversiegelung bei einem Auto ist unter anderem abhängig von der jährlichen Fahrleistung. Je mehr ein Auto gefahren wird, umso mehr ist es Feuchtigkeit durch Regen und Schnee und im Winter Streusalz ausgesetzt. Die Haltbarkeit einer Hohlraumversiegelung beträgt bei viel gefahrenen Autos etwa 2 Jahre. Wird das Fahrzeug wenig bewegt, kann eine Hohlraumversiegelung auch nach 5 oder mehr Jahren noch intakt sein. Die Hohlraumversiegelung am Auto sollten Sie dennoch etwa alle 2 Jahre kontrollieren oder in einer Werkstatt kontrollieren lassen. So können Sie einen Rostbefall frühzeitig erkennen und ohne allzu hohe Kosten beheben.

 

Wann sollte man sie erneuern?

Auf jeden Fall muss man eine Hohlraumversiegelung erneuern, wenn man nach einem Unfall Blechteile beispielsweise im Bereich der Türsäulen oder Seitenschweller austauschte. Reparaturbleche haben nur eine dünne Rostschutzschicht. Durch das Einschweißen wird diese im Bereich der Schweißpunkte vollkommen zerstört. Auch kann man die Nahtstellen der Reparaturbleche nur von einer Seite abdichten. Innen im Hohlraum ist ein Abdichten nicht möglich.

Generell sollten Sie die Hohlraumversiegelung etwa alle zwei Jahre kontrollieren. Eine gute Gelegenheit hierzu ist eine sowieso fällige Inspektion Ihres Autos in der Werkstatt. Jede Fahrzeugkarosserie ist etwas flexibel und verwindet sich bei jeder Fahrt. Durch diese Bewegungen entstehen im Laufe der Zeit feine Risse in der Hohlraumversiegelung. Durch diese Risse kann Feuchtigkeit ans Blech gelangen und Rost verursachen. Besonders anfällig sind Cabrios, deren Karosserie wegen des fehlenden Dachs weniger verwindungssteif sowie SUVs und Offroad-Fahrzeuge, die tatsächlich im Gelände gefahren werden.

Wenn Sie ein neues Auto kaufen, sollten Sie den Händler fragen, ob eine Hohlraumversiegelung vorhanden ist. Falls nicht, sollten Sie auch bei einem Neuwagen zeitnah eine Hohlraumversiegelung selbst durchführen oder durchführen lassen.

 

Kann man eine Hohlraumversiegelung am Auto selber erneuern?

Hohlraumversiegelung erneuern
© GettyImages / Jae Young Ju

Eine Hohlraumversiegelung am Auto kann man in Eigenregie erneuern. Im Fachhandel sind Mittel auf Basis von Wachs oder Fett für die Hohlraumversiegelung bei einem Auto in Spraydosen erhältlich. Eine Dose kostet etwa 10 bis 12 Euro. Falls möglich, sollte man die Hohlräume vor der Versiegelung mit einem Endoskop auf Rostbefall überprüfen.

Bevor Sie die Hohlraumversiegelung erneuern, sollten Sie den Boden unter dem Fahrzeug abdecken. Auch die Bremsen muss man abdecken oder abkleben. Durch Öl oder Wachs Spritzer kann man die Wirkung der Bremsen erheblich beeinträchtigen. Ihr Auto sollten Sie aufbocken, damit Sie bequem darunter arbeiten können. Falls Sie die Möglichkeit haben, eine Hebebühne beispielsweise in einer Selbsthilfewerkstatt zu nutzen, sollten Sie das Fahrzeug so weit anheben, dass Sie im Stehen darunter arbeiten können. Für Ihren persönlichen Schutz sollten Sie unbedingt eine Schutzbrille, Handschuhe, eine Atemschutzmaske und einen Einweg-Overall tragen.

Gehen Sie bei der Hohlraumkonservierung systematisch vor. Beginnen Sie beispielsweise vorne am Fahrzeug und arbeiten Sie sich dann nach hinten vor. So können Sie sicherstellen, dass Sie keinen Bereich auslassen. Wenn Sie die von unten erreichbaren Hohlräume behandelt haben, sind die von oben erreichbaren Hohlräume an der Reihe. Beispielsweise Türen, Kofferraumdeckel und Motorhaube. Verschiedene Hohlräume sind durch die werksseitigen Öffnungen für die Korrosionsschutzgrundierung zugänglich. Oft sind diese Öffnungen mit Plastikstopfen verschlossen.

Diese Stopfen können Sie entfernen und die Hohlraumkonservierung durch die Öffnungen relativ bequem einsprühen. Bei Hohlräumen ohne Zugang müssen Sie gegebenenfalls ein kleines Loch ins Blech bohren, durch das Sie die Applikationshilfe der Spraydose oder die Düse einer Spritzpistole einführen können. Nach der Behandlung sollten Sie alle Öffnungen wieder mit geeigneten Stopfen verschließen. Wichtig ist, dass Sie nach Möglichkeit die gleiche Konservierung verwenden, wenn Sie die Hohlraumversiegelung nach ein paar Jahren wiederholen.

 

Wie viel kostet eine Hohlraumversiegelung?

Die Kosten für eine Hohlraumversiegelung sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Beispielsweise von den erforderlichen Vorarbeiten wie Rostentfernung und Abkleben / Abdecken des Fahrzeuges. Die Anzahl und Zugänglichkeit der Hohlräume sowie die Fahrzeuggröße spielen ebenfalls eine Rolle. Eine komplette Hohlraumversiegelung ohne Rostbehandlung / -entfernung kostet je nach Aufwand für:

 

Kleinwagen ca. 600 bis 1.200 Euro

Mittelklasse und Oberklasse Pkw ca. 1.000 bis 1.600 Euro

SUVs und Transporter ca. 1.400 bis 1.800 Euro

Wohnmobile ca. 1.000 bis 1.600 Euro

 

Wenn Sie die Hohlraumversiegelung am Auto selber machen, müssen Sie mit Kosten in Höhe von etwa 100 bis 150 Euro inklusive Material, Schutzkleidung und Miete einer Hebebühne rechnen.