Die neue EU-Reifenlabel-Verordnung – mehr Übersicht, bessere Vergleichbarkeit

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Reifenlabel

Ab dem 1. Mai 2021 tritt eine neue EU-Reifenlabel-Verordnung in Kraft. Diese ersetzt das seit 2009 geltende EU-Label und soll es Ihnen beim Kauf neuer Reifen leichter machen, die wichtigsten Indikatoren zu relevanten Werten zu vergleichen.

In diesem Überblick haben wir Ihnen alles Wichtige rund um das neue Reifenlabel, die Verordnung und die Änderungen aufbereitet, damit Sie beim nächsten Reifenkauf den Durchblick bewahren.

 

Die EU-Reifenlabel-Verordnung – das verbirgt sich hinter der Verordnung

Abgesegnet im Mai des vergangenen Jahres tritt die neue EU-Reifenlabel-Verordnung mit der sperrigen Bezeichnung 2020/740 zum 1. Mai 2021 in Kraft. Die Verordnung widmet sich der Kennzeichnung des Kraftstoffverbrauches und anderer wichtiger Kenngrößen für Reifen und ändert eine ältere Verordnung von 2017 und löst eine Verordnung von 2009 ganz auf. Das klingt kompliziert, aber im Kern ist es ganz einfach – alle Reifen haben künftig neue Label, auch die Reifen der Klassen C1 und C2 für Pkw und Busse. Ausgenommen ist lediglich noch die Klasse C3 für schwere Nutzfahrzeuge.

Grund für die Änderung waren Erwägungen der EU, in Klima- und Energiepolitik einen maßgeblichen Wandel anzustoßen und die CO2-Emissionen nachhaltig durch die Entwicklung kraftstoffeffizienter Reifen zu senken.

 

Was ändert sich künftig für Sie und für Reifenhändler?

Für Sie wird es beim nächsten Reifenkauf vor allem viel einfacher und übersichtlicher, Reifen zu vergleichen. Am Point of Sale muss das neue Reifenlabel nämlich künftig gut sichtbar angebracht sein, es muss digital abrufbar sein und auf Wunsch in ausgedruckter Form bereit gestellt werden.

Kaufen Sie Ihre Reifen hingegen online, so finden Sie die relevanten Informationen künftig als digitales Label vor.

Gleiches gilt auch, wenn beim Händler ein Reifen aus einem identischen Posten verkauft wird, so dass Sie selbst beim Kauf einzelner Reifen Zugriff auf ein Datenblatt haben – ob digital oder analog.

Eine gute Übersicht haben Sie künftig aber nicht nur beim Händler selbst, sondern bereits in der Werbung. Werbeanzeigen und anderes Informationsmaterial müssen zukünftig mit dem entsprechenden Reifenlabel versehen werden. Das einfache Angeben der Labelwerte und -klassen reicht in Zukunft nicht mehr aus. Der Vorteil für Sie: Bereits auf den ersten Blick können Sie alle Reifen bequem miteinander vergleichen. Selbst der Vergleich zwischen Anzeigen und Katalogen beim Händler wird so um Einiges vereinfacht und Sie sehen sofort, welche Performance die Reifen Ihnen künftig bringen. Händler können schwächer performende Reifen so nicht mehr so leicht kaschieren und Sie können direkt die Label miteinander vergleichen.

Händler müssen in Zukunft vor allem gewährleisten, dass die Label gut sichtbar angebracht werden, entweder an der Lauffläche des Reifens selbst oder aber an einem identischen Reifensatz.

Reifenlabel
© GettyImages / EThamPhoto

Das neue EU-Reifenlabel im Überblick

Wie das ganz konkret aussieht, zeigen wir Ihnen am Beispiel des vereinfachten Reifenlabels. Ab dem 1. Mai sehen Sie die drei von der EU klassifizierten Reifeneigenschaften schnell und deutlich auf dem Reifenlabel, dazu zählen der Rollwiderstand, die Nassbremseigenschaft und das Außenabrollgeräusch.

 

Rollwiderstand und Kraftstoffeffizienz

Der Rollwiderstand bzw. die Kraftstoffeffizienz zeigen den Widerstand der Reifen während der Fahrt an und geben somit wieder, wie viel Kraftstoff prozentual während der Fahrt eingespart werden kann. Rund 20-30 Prozent des Kraftstoffverbrauchs entfallen während der Fahrt auf den Rollwiderstand der Reifen, hier liegt also enormes Einsparungspotential vor.

Erwerben Sie also Reifen mit geringerem Rollwiderstand, so fahren Sie mir erhöhter Kraftstoffeffizienz, gut für Sie und die Umwelt. In der Nutzung amortisieren sich teurere Reifen mit geringerem Rollwiderstand also.

Aufgeteilt wird der Rollwiderstand in die Klassen A-E, die Klasse D wird nun erstmals vergeben.

Bei den Klassen A bis C hat sich im Vergleich zum alten Label von 2012 nichts verändert, das alte E ist nun die Kategorie D und die Kategorien F und G wurden zum neuen E zusammengefasst.

Den niedrigsten Rollwiderstandswert bieten Reifen der Klasse A, verglichen mit der schlechtesten Klasse E ließe sich so eine Kraftstoffersparnis von rund 7,5% erreichen. Natürlich spielen fahrzeugspezifische Faktoren hier ebenfalls eine Rolle, je nach Pkw könnten Sie aber rund 0,5l auf 100 Kilometer sparen.

Natürlich haben Sie auch die farbliche Orientierung vom grünen A zum roten E.

 

Nassbremseigenschaft

Analog zu den Klassen A-E des Rollwiderstands wird auch die Nassbremseigenschaft der Reifen von A-E klassifiziert.

Auch hier wurde die Skala harmonisiert und die Klasse D ist nun besetzt. Statt der vormaligen Einteilung in A-C und E-F, reicht die Skala nun von A-E. Grundsätzlich entsprechen alle in der EU verkauften Reifen den Mindestanforderungen an das Nassbremsverhalten, dieses kann jedoch maßgeblich verbessert werden. Reifen mit der Qualitätsklasse A besitzen dabei bei Nässe den kürzesten Bremsweg, Reifen der Klasse E den längsten.

Wie stark sich dieser in der Praxis unterscheidet, hängt von Grad der Nässe, Fahrzeug und Geschwindigkeit ab. Natürlich ist dieser Aspekt aber entscheidend für Ihre Sicherheit.

 

Die neuen Geräuschklassen

Auch bei der Darstellung der Geräuschklassen hat sich auf den ersten Blick etwas getan. Statt der drei Schallwellen lesen Sie hier nun die Geräuschklasse A-C ab. Die Anzahl der Schallwellen ist nun also nicht mehr entscheidend, sondern dient nur noch der Visualisierung des Geräuschpegels.

Stattdessen lesen Sie die absolute Lautstärke in dB und die Geräuschklasse darunter ab.

 

Weitere Piktogramme

Es gibt neben der Geräuschklasse neue Piktogramme für Schnee (3PMSF) ein Eis-Logo für Reifen der Klasse C1.

Reifen im Schnee
© GettyImages / Milan Krasula

Der QR-Code

In der oberen rechten Ecke des Reifenlabels finden Sie zudem einen QR-Code, diesen können Sie mit Ihrem Smartphone scannen und kommen so direkt zur Reifentyperkennung und erhalten einen Link zur EU-Produktdatenbank.

 

Reifenlabel: Die Wechselwirkung der unterschiedlichen Parameter

Wenn Sie auf der Suche nach den besten Reifen sind, so werden Sie schnell feststellen, dass Sie nur schwer Reifen finden können, die in jeder Klasse optimal abschneiden. Dies hängt mit der Wechselwirkung der unterschiedlichen Eigenschaften zusammen.

Reifen mit geringerem Rollwiderstand besitzen somit eine schlechtere Nassbremsleistung und bessere Nassbremseigenschaften wirken sich nachteilig auf die externen Rollgeräusche aus.

Die EU-Reifenlabel-Verordnung nimmt explizit auch die Reifenhersteller in die Pflicht, alle Parameter zu optimieren.

 

Was Sie als Verbraucher außerdem beachten sollten

Die Vereinfachung durch die neue EU-Reifenlabel-Verordnung sollte für Sie im Vordergrund stehen, doch auch als Fahrzeugführer sind Sie natürlich weiterhin selbst gefragt. Die Labelwerte wurden unter Laborbedingungen erzielt, auch Sie selbst können den Kraftstoffverbrauch durch ökonomische Fahrweise reduzieren und Ihre Sicherheit im Straßenverkehr hängt selbstverständlich auch von Ihrer Fahrweise ab.

Ein essentielles Kriterium, um die Performance Ihrer Reifen zu bewahren, ist beispielsweise das Einhalten des Reifendrucks und die regelmäßige Überprüfung. Nur so gewährleisten Sie Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung. Zudem sollten Sie wissen, dass das aktuelle EU-Reifenlabel in dieser Form auch für Winterreifen gibt.

Neue Verpflichtungen haben Sie durch das neue Reifenlabel als Endkunde nicht. Für Sie hat sich vor allem die Möglichkeit verbessert, sich über neue Reifen zu informieren. Seit 2012 ist das Reifenlabel ohnehin Pflicht, ab dem 1. Mai wird es vereinfacht und auch digital bereitgestellt. Das neue Label ist dabei so klar und übersichtlich gestaltet wie die Energieeffizienz von Leuchtmitteln.

Das neue Label soll sicherstellen, dass man in der Werbung klar kommuniziert, wie Reifen sich bei den Schlüsselparametern verhalten. Damit können Kunden in Zukunft bessere Entscheidungen treffen und sehen beim Händler, was sie von einem Reifen erwarten können.