Die Kluft zwischen Real – und Testverbrauch von Kraftstoff wird immer größer. Welche legalen-illegalen Schlupflöcher nutzen die Autohersteller?

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© phoelixDE / Shutterstock

Autofahrer die davon ausgehen mit einem Neuwagen Sprit zu sparen, irren sich anscheinend gewaltig.  Untersuchungen haben ergeben, dass der reale Benzinverbrauch von Neuwagen rund 42 Prozent über den von den Autoherstellern angegebenen Verbrauchswerten liegt.

ICCT deckt neue Unregelmäßigkeiten auf

Die Nachwehen des Abgasskandals sind noch nicht abgeklungen, da rutscht die Autoindustrie erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Nachdem die unabhängige Forschungsorganisation „International Council on Clean Transportation (ICCT) in den USA die Abgasmanipulationen von VW aufgedeckt hat, holen sie bereits zum nächsten Schlag aus.

Mehrausgaben von rund 450 Euro im Jahr

In Zusammenarbeit mit der niederländischen Organisation  für angewandte wissenschaftliche Forschung (TNO) hat der amerikanische Forscherverband  ICCT Benzinverbrauchswerte von etwa eineR Million Fahrzeugen (Baujahr 2010 bis 2015)  analysiert. Dabei wurde für jedes Auto der Benzinverbrauchswert unter realen Bedingungen ermittelt und  mit den offiziellen Werten der Hersteller verglichen. Insgesamt 13 verschiedene Quellen, unter anderem von Leasinggesellschaften, Automagazinen und Messdaten anderer Organisationen wurden dabei berücksichtigt. Im Ergebnis konnte so festgestellt werden, dass die von den Herstellern angegebenen  Verbrauchswerte stark von den Realwerten abweichen. Sicherlich, dass die Angaben der Automobilhersteller bezüglich  des Benzinverbrauchs nicht immer ganz realistisch waren ist hinreichend bekannt und wurde bisher von den Autofahrern stillschweigend toleriert. Doch aus kleinen Abweichungen sind mit den Jahren stattliche Differenzen geworden. Lag vor zehn Jahren die Abweichung noch bei  15 Prozent, erreichten die Differenz der Verbrauchswerte im Jahr 2013 die 25 Prozent Marke. Laut der amerikanischen Studie liegt der  Differenzwert aktuell sogar bei  rund 42 Prozent. Das bedeutet für Autofahrer Mehrausgaben für Benzin  von etwa 450 Euro im Jahr.

Wie kommt es zu den Abweichungen ?

Sicherlich hat jeder Automobilhersteller ein Interesse daran möglichst gute Verbrauchswerte zu liefern. Dabei nutzen die Hersteller alle erdenklichen systematischen Schlupflöcher der zurzeit gültigen Regulierungen . So werden unter anderem Reifen für Tests präpariert und Batterien voll aufgeladen, um so bessere Verbrauchwerte zu erzielen. Diese Maßnahmen sind nicht gesetzlich verboten und wurden bisher auch irgendwie toleriert, auch wenn so das reale Fahrverhalten nicht widergespiegelt wird. Allerdings können diese  Manipulationen laut ICCT nur etwa ein Viertel der aktuellen Messwerte ausmachen. Daher gehen die amerikanischen und niederländischen Forscher davon aus, dass die Abweichungen  auf Technologien beruhen, durch die beim Test größere Einspareffekte erreicht werden als es in der Realität tatsächlich der Fall ist. Dass so etwas technisch möglich ist, hat der Abgasskandal im letzten Jahr hinreichend bewiesen.

Schwere Zeiten für Autofahrer

Nach dem  Abgasskandal  steht die Autoindustrie  mit den eklatant abweichenden Benzinverbrauchswerten erneut vor einem riesigen Problem. Zum einen muss geklärt werden, wie es zu den Abweichungen bei den Verbrauchswerten kommt und zum andern muss das Vertrauen der deutschen Autofahrer in die Autoindustrie zurückgewonnen werden. Zwei Mammutaufgaben, die es zu bewältigen gilt.

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