Der Winter steht vor der Tür: Wer noch keine Winterreifen aufgezogen hat, sollte jetzt aktiv werden.

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© lassedesignen / Shutterstock

Der Winter steht vor der Tür: Wer noch keine Winterreifen aufgezogen hat, sollte jetzt aktiv werden. Was gilt es bei diesem Thema zu berücksichtigen?

Der Winter naht – und damit auch die Wechselsaison für Winterreifen. Die „O bis O“-Regel besagt, dass die Pneus im Oktober aufgezogen werden und erst Ostern gegen Sommerreifen ersetzt werden sollten. Dass dieser Reifentyp unter bestimmten Witterungsbedingungen in Deutschland sogar vorgeschrieben ist, dürfte sich herumgesprochen haben. Doch allein im Interesse der eigenen Sicherheit sollten Sie auf den saisonalen Wechsel nicht verzichten.

EU-Reifenlabel vereinfacht Kaufentscheidung

Müssen die Winterreifen erst noch angeschafft werden, hilft Ihnen das 2012 eingeführte EU-Reifenlabel bei der Auswahl. Dort findet eine Bewertung nach drei Kriterien statt:

– Energieeffizienz

– Geräuschniveau

– Bremsweg

Hinsichtlich der Effizienz werden die von Haushaltsgeräten bekannten Klassifizierungen von A bis G verwendet. Dabei sind die Einteilungen so zu verstehen, dass ein Fahrzeug mit einem Normverbrauch von 6,6 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern die Referenz darstellt. Für die Klassifizierung B darf der Verbrauch bereits um 0,1 Litern ansteigen. Bei Fahrzeugen, die ohnehin einen höheren Verbrauch aufweisen, fallen demzufolge auch die Unterschiede größer aus. Ähnlich ist die Einteilung hinsichtlich des Bremsweges vorgenommen worden: Gemessen wird jene Strecke, die ein Fahrzeug bei nasser Fahrbahn und einer Geschwindigkeit von 80 km/h zum Stillstand benötigt. Die Klasse B bedeutet in diesem Fall, dass der Bremsweg bereits 3 Meter länger ausfallen kann, als bei der Klasse A. Die Geräuschemissionen werden hingegen mit Strichen gekennzeichnet. Dabei geben drei Striche an, dass die EU-Grenzwerte für das maximale Vorbeifahrgeräusch eingehalten werden. Bei zwei Strichen oder gar einem Strich werden die Grenzwerte um 3 dB bzw. mehr als 3 dB unterschritten.

Nicht nur für Schnee: Winterreifen mit Vorteilen bei Kälte

 © motointegrator.de / 1x Winterreifen NOKIAN WR SUV 3 235/55 R19 105V XL
© motointegrator.de / 1x Winterreifen NOKIAN WR SUV 3 235/55 R19 105V XL

Die Aufnahme aller drei Kriterien zur Beurteilung ist durchaus sinnvoll, denn es handelt sich um konkurrierende Eigenschaften: Würden die Reifenhersteller eine härtere Gummimischung verwenden, würde sich der Verbrauch verringern – die Haftung allerdings auch. Dabei liegt im weichen Material der größte Unterschied zum Sommerreifen. Winterreifen sind nicht nur bei Eis und Schnee im Vorteil, sondern bereits bei niedrigen Temperaturen. Schon ab +7 °C lassen sich kürzere Bremswege als mit Sommerreifen erzielen. Bei Schnee bringen die Winterreifen zudem den Vorteil mit, dass das Profil mit einem größeren Negativanteil ausgeführt ist. Dafür muss die Profiltiefe höher ausfallen als bei Sommerreifen. Zwar schreibt der Gesetzgeber generell nur eine Mindesttiefe von 1,6 mm vor; tatsächlich verschlechtern sich die Eigenschaften von Winterreifen aber bereits unterhalb von 4 mm. Spätestens bei 3 mm sollte ein Austausch erfolgen. Haben Sie keinen Messschieber zur Hand, um die Profiltiefe exakt zu bestimmten, genügt eine Zwei-Euro-Münze: Deren Rand sollte komplett im Profil verschwinden.

Alte Reifen müssen ausgetauscht werden

Ein Austausch wird ebenso notwendig, wenn die Reifen ungleichmäßig abgefahren oder überaltert sind. Eine ungleichmäßige Abnutzung ist zudem ein Indikator dafür, dass der Sturz falsch eingestellt ist. In diesem Fall sollte der Wagen in die Werkstatt, damit die Fahrwerkseinstellungen überprüft werden können. Wann ein Reifen zu alt ist, lässt sich pauschal nicht beurteilen – maßgeblich ist hierbei unter anderem auch die Nutzung. Treten Alterungsrisse auf, verweigert der TÜV die neue Plakette der Hauptuntersuchung. Wurden die Reifen häufig der UV-Strahlung ausgesetzt, kann dies bereits ab sechs Jahren der Fall sein. Das Alter erkennen Sie übrigens anhand der DOT-Nummer an der Reifenflanke: Die ersten zwei Ziffern geben die Kalenderwoche der Produktion an, die letzten beiden Ziffern das Produktionsjahr.

Höherer Luftdruck ratsam

Noch einige Worte zum Luftdruck bei Winterreifen: Prinzipiell handelt es sich bei den Angaben in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs um Mindestdrücke, die ohnehin um rund 0,2 Bar überschritten werden sollten. Bei Winterreifen kommt noch die Problematik hinzu, dass die Kälte für ein verringertes Luftvolumen sorgen kann – weshalb hier ein weiterer Zuschlag um 0,2 Bar sinnvoll ist, um diesen Effekt auszugleichen. Wenn Sie diese Dinge beachten, sind Sie auch im folgenden Winter sicher mit Ihrem Fahrzeug unterwegs.