Auto überbrücken: So geben Sie erfolgreich Starthilfe!

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Starthilfe
© GettyImages / Natnan Srisuwan

Das Auto springt nicht an, weil die Batterie leer ist – und nun? Kein Problem, wenn Sie ein Starthilfekabel und einen netten Nachbarn mit Auto haben, der überbrücken kann. Damit die Aktion Erfolg hat, sollten Sie allerdings die einzelnen Schritte in der richtigen Reihenfolge ausführen. Mit dieser Anleitung kommen Sie zum Ziel und geben Sie erfolgreich Starthilfe!

 

Was benötige ich, um Starthilfe zu geben oder zu bekommen?

Das Starthilfekabel oder Überbrückungskabel sind eigentlich zwei Kabel: ein rotes mit roten Klemmen und ein schwarzes mit schwarzen Klemmen. Haben Sie kein eigenes, hat vielleicht Ihr Helfer eins. Aber Vorsicht: Ein Kabel mit einem Querschnitt von 16 mm² reicht nur für einen Benziner bis 2 Liter Hubraum. Ist das Pannenauto größer, benötigen Sie ein dickeres Kabel!

 

Der Nachbar – oder wen auch immer Sie als Starthelfer gewinnen konnten – muss sein Auto so nah an dem Pannenfahrzeug parken, dass die Kabel von Motorraum zu Motorraum reichen. Seine Autobatterie muss dieselbe Spannung haben wie die Batterie, die den Strom empfangen soll. Ältere Autos haben meist 12 Volt, neuere können auch mehr haben. Während Sie die Batterien verbinden, sollten alle Verbraucher in beiden Autos und auch der Motor des Helferautos abgestellt sein!

Starthilfe geben
© GettyImages / joebelanger

In welcher Reihenfolge werden die Starthilfekabel angeschlossen?

 

1. Schritt: Das rote Kabel anschließen

Mit dem roten Kabel werden die Pluspole verbunden. Stecken Sie die erste rote Klemme an den Pluspol des Helferautos. Die andere rote Klemme stecken Sie danach an den Pluspol des Pannenfahrzeugs.

 

2. Schritt: Das schwarze Kabel anschließen

Die erste schwarze Klemme stecken Sie an den Minuspol des Helferautos. Die zweite schwarze Klemme kommt NICHT an den Minuspol des Pannenfahrzeugs, sondern an den vorgegebenen Massepunkt, den Sie in der Betriebsanleitung finden. Es funktioniert aber auch mit einem blanken Stück Metall abseits der Batterie, zum Beispiel am Motorblock.

 

3. Schritt: Motor des Helferautos starten

Der Helfer kann nun den Motor starten.

 

4. Schritt Motor des Pannenfahrzeugs starten

Nachdem der Motor des Helferfahrzeugs etwas gelaufen ist, kann auch das Pannenfahrzeug gestartet werden. Springt es noch nicht an, warten Sie eine Minute und versuchen Sie es erneut. Ist auch der dritte Anlauf nicht erfolgreich, holen Sie besser professionelle Hilfe. Dass das Auto nicht anspringen will, kann auch andere Ursachen haben. Die Kabel werden entfernt wie nach Schritt 7.

 

5. Schritt: Beide Motoren laufen lassen

Ließ sich das Pannenfahrzeug durch die Starthilfe erfolgreich starten, sollten die Motoren beider Autos einige Minuten laufen.

 

6. Schritt: Verbraucher beim Pannenfahrzeug einschalten

Nun bereiten Sie die Entfernung der Kabelverbindung vor. Um Spannungsspitzen zu vermeiden und die Bordelektronik zu schützen, schalten Sie im Pannenfahrzeug einige starke Verbraucher ein, beispielsweise Licht, Lüftung oder Heckscheibenheizung.

 

7. Schritt: Schwarzes Kabel entfernen

Die Kabel werden nun in umgekehrter Reihenfolge entfernt, zuerst das am Massepunkt.

 

8. Schritt: Rotes Kabel entfernen

 

9. Schritt: Verbraucher im Pannenauto ausschalten

Nun können Sie die Verbraucher ausschalten, die Sie nicht benötigen.

 

10. Schritt: Batterie durch Fahrt laden

Die Batterie des Pannenfahrzeugs lädt sich von selbst wieder, wenn es eine längere Strecke gefahren wird. Der Fahrer sollte dabei auf Fehlermeldungen achten. Auf keinen Fall nach erfolgreichem Start den Motor gleich wieder ausschalten – sonst können Sie von vorn anfangen.

 

Wie dick muss das Starterkabel sein?

Das Starterkabel muss ausreichend Strom zum Pannenfahrzeug transportieren können. Bei zu dünnen Kabeln kommt zu wenig an, außerdem überhitzen und schmelzen sie schneller. Verlassen Sie sich deshalb nicht darauf, dass Ihr Helfer schon das richtige Kabel dabei haben wird oder sparen Sie am falschen Ende. Für einen kleinen Benziner bis 2 Liter Hubraum reicht ein Starthilfekabel mit einem Querschnitt von 16 mm² aus. Größere Benziner und Dieselautos sollten Kabel mit mindestens 25 mm² Querschnitt benutzen.

Sehr lange Kabel sind zwar praktisch, wenn das liegengebliebene Fahrzeug ungünstig steht und das Helferfahrzeug zum Überbrücken nicht direkt daneben platziert werden kann. Es ist dann aber auch ein dickerer Querschnitt notwendig, weil mit der Länge des Kabels auch der Widerstand wächst. Im Handel sind Starterkabel aus Kupfer mit Querschnitten von 16 mm² bis 40 mm² erhältlich. Aluminiumkabel sind nicht ganz so leitfähig wie Kupfer und müssen entsprechend dicker sein.

Starterkabel
© GettyImages / DonNichols

Warum darf man nicht Minuspol mit Minuspol verbinden?

Bei dieser Empfehlung handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Der Minuspol der Batterie ist mit der Karosserie des Fahrzeugs verbunden („Masse“). Beim Anklemmen des letzten Kabels könnten Funken fliegen. In der Nähe der Batterie könnten Knallgase vorhanden sein, die sich dann entzünden. Diese Gefahr ist geringer, wenn eine Stelle gewählt wird, die etwas entfernt von der Batterie liegt. Über den Massepunkt oder den Motorblock wird das Kabel ebenfalls mit der Karosserie verbunden, aber sicherer für Fahrzeug und Nutzer.

 

Warum soll man erst den Pluspol anklemmen?

Auch bei dieser Empfehlung handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Würde zuerst eine Verbindung zum Minuspol hergestellt, und Sie hantieren beim späteren Anschließen des Pluspols unvorsichtig, kann es zu einem Kurzschluss kommen. Die kann passieren, wenn Sie beispielsweise mit einem Schraubenschlüssel oder anderem Werkzeug versehentlich eine Verbindung zu Karosserie herstellen, die ja mit dem Minuspol verbunden ist. Bei einem Kurzschluss kann es massive Schäden an der Elektrik geben oder sogar brennen.

 

Wie lange dauert die Starthilfe?

Sind geeignete Starterkabel vorhanden und lässt sich das Helferfahrzeug gut neben dem Pannenfahrzeug platzieren, dauert die Starthilfe nicht lange: Nach zehn Minuten sollte der freundliche Helfer weiterfahren können. Die einzelnen Startversuche des Pannenfahrzeugs sollten jeweils nur wenige Sekunden dauern. Mehr als drei Versuche sind meist nicht sinnvoll. Klappt es nicht, liegt vielleicht ein anderes Problem vor, oder die Ausrüstung ist nicht geeignet.

 

Wie startet man das Auto mit einer Powerbank?

Ein Auto mit leerer Batterie lässt sich auch durch eine geeignete Powerbank starten. Ob diese dafür geeignet ist, erfahren Sie aus der Betriebsanleitung. Dabei gehen Sie vor, als wäre die Powerbank die Batterie des Helferfahrzeugs. Die Kabel werden in derselben Reihenfolge verbunden: Erst rot, dann schwarz, und die letzte schwarze Klemme an den Massepunkt des Fahrzeugs. Nach erfolgreichem Start warten Sie ein paar Minuten, bevor Sie die Powerbank abklemmen.

 

Wie lange muss man nach der Starthilfe fahren, bis die Batterie wieder voll ist?

Sie sollten mindestens eine Viertelstunde unterwegs sein, besser mehr. Eine Kurzstrecke reicht nicht aus! Springt das Auto nicht mehr an, obwohl Sie länger gefahren sind, ist vermutlich die Batterie zu alt oder defekt.

 

Kann man mit einem Elektroauto einem Verbrenner Starthilfe geben?

Ein Elektroauto verfügt neben der Antriebsbatterie auch über eine 12-Volt-Batterie für die elektrischen Verbraucher. Diese ist in der Regel jedoch schwächer dimensioniert als die eines Verbrennerfahrzeugs, da sie keinen Anlasser starten muss. Deshalb reicht sie vermutlich nicht aus, um größere Fahrzeuge zu starten.