Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Automobilindustrie

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Die Corona-Pandemie hat die weltweite Automobilindustrie seit Frühjahr 2020 mehr oder weniger fest im Griff. Nur ein Hersteller und ein Land konnten sich im vergangenen Jahr dem globalen Abwärtstrend erfolgreich widersetzen.

 

Die Automobilindustrie in Deutschland – durch Corona vom Wachstumsmotor zum Sorgenkind

Neben dem in Deutschland traditionell starken Maschinenbau und der Elektroindustrie ist die Automobilbranche einer der wichtigsten Industriezweige der deutschen Volkswirtschaft. Betrachtet man alleine den Umsatz, dann ist die Automobilindustrie mit fast einem Viertel des gesamten Industrieumsatzes mit Abstand der bedeutendste Industriezweig. Etwa zwei Millionen Menschen sind in Deutschland direkt oder indirekt von der Automobilbranche abhängig.

Aber bereits 2019 zeichneten sich mit den neuen und strengeren EU-Abgasnormen dunkle Wolken am Horizont ab. Auch der nach Ansicht vieler Experten von der deutschen Automobilindustrie zu zögerlich vollzogene Wandel weg von Verbrennungsmotoren hin zu alternativen Antrieben hatte schon in den Jahren zuvor tiefe Spuren hinterlassen. Durch die Corona-Pandemie wurde die deutsche Autobranche schließlich in die mit Abstand tiefste Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges gestürzt. Die Zeiten, in denen die Automobilindustrie in Deutschland ein Wachstumsmotor der Wirtschaft war, scheinen vorerst vorbei zu sein.

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Die deutsche Automobilindustrie in Zeiten der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie hat der deutschen Automobilindustrie im vergangenen Jahr erhebliche Umsatz- und Gewinneinbußen beschert. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland sankt im ersten Halbjahr 2020 um 35 % auf nur noch 1,21 Millionen Fahrzeuge. Den stärksten Rückgang bei den Neuzulassungen erlebten die deutschen Autobauer im April 2020 mit nur noch etwa 120.000 Fahrzeugen gegenüber rund 315.000 Automobilen im Vorjahresmonat.

Nach einem kurzen Zwischenhoch im Frühherbst 2020 mit deutschlandweit 265.227 Neuzulassungen (+8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr) wurden im November mit nur rund 290.000 Pkw erneut 3 % weniger Fahrzeuge zugelassen als im Vorjahresmonat. Wegen Corona bedingter Ausfälle bei einem Zulieferer musste der Volkswagen-Konzern zudem die Produktion im Wolfsburger Stammwerk und in Bremen im Dezember 2020 erneut drosseln.

Laut Kraftfahrtbundesamt wurden in Deutschland in der Zeit von Januar bis September 2020 insgesamt 25,5 % weniger Pkw verkauft als im gleichen Zeitraum des Jahres 2019. Für Volkswagen und Daimler bedeutete die negative Entwicklung einen Gewinneinbruch von bis rund 85 % in diesem Zeitraum. Insgesamt, so der Verband der Automobilindustrie VDA, mussten die deutschen Automobilhersteller im ganzen Jahr einen Rückgang von gut 23 % bei den Neuzulassungen verkraften. Aber nicht nur die deutsche Automobilindustrie wurde von der Corona-Pandemie schwer getroffen.

 

Auswirkungen von Corona auf den europäischen Automarkt

Die deutsche Automobilindustrie ist im Krisenjahr 2020 im Vergleich zu den meisten europäischen Nachbarländern glimpflich davongekommen. Der italienische Automobilmarkt wurde noch deutlich härter getroffen. Im April 2020 sanken die Neuzulassung in Italien um mehr als 96 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Mit nur 4.325 Neuzulassungen verzeichneten die Italiener die niedrigsten Verkaufszahlen seit 1960. Mit einem Rückgang um fast 90 % waren die Umsatzeinbußen in Frankreich nur unwesentlich geringer. Für die Franzosen war der April 2020 der schwächste Monat seit 1957. Noch schlimmer traf es Großbritannien. Nach einem fast vollständigen Erliegen der Autoabsätze im April konnten die Briten auch im Mai mit nur 20.209 Zulassungen keinen signifikanten Zuwachs verzeichnen. In Großbritannien war der April und der Mai 2020 die Monate mit den geringsten Pkw-Neuzulassungen seit 1952.

 

Folgen der Coronakrise für den US-Automarkt

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Das Frühjahr 2020 begann für die amerikanischen Automobilhersteller mit einem Paukenschlag. Die amerikanischen Autobauer erlebten im April 2020 mit einem Rückgang um mehr als 53 % und nur 625.000 Neuzulassungen den schwärzesten Monat seit mehr als 30 Jahren. Ford, General Motors und Fiat Chrysler, die großen drei der amerikanischen Automobilindustrie, veröffentlichten danach eine zeitlang keine monatlichen Verkaufszahlen mehr. Obwohl es in den USA anders als in Europa keinen wochenlangen und landesweiten Shutdown gegeben hat, durften die amerikanischen Autohäuser über eine längere Zeit in nur 24 von 50 Bundesstaaten öffnen.

 

China – kurzer Einbruch und schnelle Erholung der Absatzzahlen im Krisenjahr 2020

China ist seit Jahren der weltweit größte Automarkt. Nach einem Rückgang um 43,3 % im März des vergangenen Jahres konnte sich der Automobilabsatz in China schnell wieder erholen. Die Neuzulassungen stiegen im April 20 20 zunächst leicht, um dann mit einem Plus von 11,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat im Mai kräftig zuzulegen. Ein Grund für die schnelle Erholung waren die restriktiven Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Darüber hinaus hat die chinesische Zentralregierung die bis dahin geltenden restriktiven Beschränkungen für Neuzulassungen in den Millionenstädten deutlich gelockert. Auch die Kaufanreize für Elektrofahrzeuge wurden um 2 Jahre verlängert und der Onlineverkauf von Pkws forciert. Von der schnellen Erholung des chinesischen Automarktes in der zweiten Jahreshälfte konnten auch die deutschen Automobilhersteller, allen voran Volkswagen, profitieren.

 

Tesla – die Ausnahme von der Regel im Coronajahr 2020

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Elon Musk, Gründer und Chef von Tesla, hatte 2019 verkündet, dass er im Jahr 2020 mindestens 500.000 Elektrofahrzeuge produzieren wolle. Mit insgesamt 499.550 ausgelieferten Elektrofahrzeugen hat der kalifornische Automobilhersteller sein hochgestecktes Ziel so gut wie erreicht. Tesla ist der einzige Automobilhersteller, der seinen Absatz im Krisenjahr 2020 erheblich steigern konnte. Der Absatz wuchs im vergangenen Jahr um rund 36 %. Alleine im September konnte der Elektroauto-Pionier mit einem Plus von fast 83 % die höchste Steigerungsrate seit Gründung des Unternehmens verzeichnen. Gründe für den Erfolg von Tesla sehen Branchenexperten im Produktionsstart der Gigafactory 3 in China und in der deutlichen Steigerung der Stückzahlen beim Model 3. In diesem Jahr soll auch die Tesla Gigafactory 4 mit der Produktion von Elektrofahrzeugen für den Massenmarkt beginnen.

Branchenkenner gehen davon aus, dass die Automobilproduktion erst nach 2023 wieder das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreichen wird. Das schnellste Wachstum werden asiatische Länder erreichen. Die Erholung in Deutschland und Europa wird, so Dudenhöffer, aller Voraussicht nach wesentlich langsam voranschreiten.